28. Mai 2026
„Krafttraining macht dich langsamer“ – einer der hartnäckigsten Mythen im Laufsport.
Immer noch verzichten viele Trainer im Sprint- wie im Ausdauerbereich bewusst auf Krafttraining – aus Sorge, ihre Athleten könnten „zu schwer“ werden und dadurch an Geschwindigkeit verlieren.
Diese Sorge ist verständlich.
Sie ist aber in den meisten Fällen unbegründet.
Krafttraining führt nicht automatisch zu signifikanter Gewichtszunahme.
Vor allem bei Ausdauersportlern sind die hormonellen und trainingsmethodischen Voraussetzungen für ausgeprägte Hypertrophie ohnehin begrenzt. Was stattdessen passiert: neuromuskuläre Anpassungen – also eine bessere Rekrutierung und Koordination vorhandener Muskulatur.
Und genau diese Anpassungen sind leistungsrelevant.
Studien zeigen, dass gezieltes Krafttraining:
- die Laufökonomie verbessern kann
- die Kraftentwicklung pro Schritt erhöht
- die Bodenkontaktzeit reduziert
- und die Verletzungsanfälligkeit senkt
Das gilt nicht nur für Sprinter, sondern auch für Mittel- und Langstreckenläufer.
Der entscheidende Punkt ist:
Leistung im Laufen entsteht nicht nur durch „weniger Masse“, sondern durch das Verhältnis von Kraft, Koordination und Energieverfügbarkeit.
Ein Athlet, der etwas mehr funktionale Muskulatur mitbringt, aber dafür effizienter läuft, stabiler ist und höhere Kräfte übertragen kann, ist in der Praxis oft schneller – nicht langsamer.
Die eigentliche Gefahr liegt woanders:
Wenn Krafttraining aus Angst vor Gewichtszunahme gestrichen wird, fehlt ein zentraler Reiz für strukturelle Belastbarkeit. Die Folge sind häufig genau die Probleme, die man eigentlich vermeiden will: Überlastungen, stagnierende Leistung, ineffiziente Bewegungsmuster.
Natürlich gilt auch hier: Mehr ist nicht automatisch besser.
Krafttraining muss zum Gesamttraining passen – in Umfang, Intensität und Timing.
Aber es pauschal zu vermeiden, ist keine sinnvolle Strategie.
Es ist eine unnötige Einschränkung von Entwicklungspotenzial.
Die entscheidende Frage lautet nicht:
„Macht Krafttraining meinen Athleten schwerer?“
Sondern:
„Macht es ihn leistungsfähiger?“